Der Hammer, das Ich und das Problem

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Der Verstand an sich ist nicht gestört. Er ist ein wunderbares Werkzeug. Die Störung beginnt, wenn du dein Selbst in ihm suchst und ihn fälschlicherweise für das hälst, was du bist. Dann wird er zum Ego-Verstand und übernimmt die Macht über dein ganzes Leben.

- Eckhart Tolle

Stell dir einmal vor, du hast einen Hammer. Nun, nicht irgendeinen Hammer. Tolles Design, handgeschmiedet, perfekt austariert, genau auf deine Hand abgestimmt, DER Hammer: Eine einzige  Freude damit zu arbeiten, die Nägel flutschen geradezu ins Brett und auch wenn du hartes Eisen bearbeitest, ein Traum. Nur müsstest du schon ziemlich verzweifelt oder ver-rückt sein, wenn du mit deinem Superwerkzeug eine kleine Schraube herausdrehen wolltest. Oder vielleicht einen Blinddarm herausnehmen? Der Hammer selbst fände das vermutlich völlig natürlich...

Du bist nicht dein Verstand!

Eines unserer Werkzeuge ist der Verstand. Und in einer überwiegend rationalen Welt auch ein sehr gutes, wo immer es um das Analysieren (kommt von "Trennen"...) geht, oder das Lösen von Problemen. "Benutz doch mal deinen Verstand" wurde in so manchen Familien gefordert und manchmal auch gebrüllt. Das geht so weit, dass wir den Verstand immer und auf alles anwenden und in nicht wenigen Fällen halten Menschen den Verstand für ihr ICH, sie sind mit Ihrem Werkzeug identifiziert und dann auf dessen Möglichkeiten beschränkt. Um im Bild zu bleiben: Der so gestrickte (konditionierte) Handwerker nimmt seinen Hammer für jedwede Aufgabe, das geht ja oft gut - beim Tapezieren, der Reparatur des Fernsehers oder chirurgischen Eingriffen... eher nicht. Der Handwerker wird zum Hammer.

Aber es kommt noch schlimmer...

Das Werkzeug Verstand hat als wichtigste Aufgabe: Probleme lösen. Dafür ist er gemacht, darauf wird er trainiert. Und wenn das Problem gelöst ist, legen wir das Werkzeug zurück in die Werkzeugkiste. Der mit seinem Verstand identifizierte Mensch tut das nicht. Sein Verstand ist immer aktiv und will seine Daseinsberechtigung untermauern. Und so löst er weiter Probleme, auch Probleme die es gar nicht gibt oder die er erst entstehen lässt. Dazu bemächtigt er sich unserer anderen mentalen Werkzeuge, erschafft sich ein Umfeld, in dem er fortwährend gebraucht wird. Das identifizierte und vom Verstand halbbetäubte Ich bekommt das gar nicht mehr mit, oder ist mit dem Bejammern der vielen Probleme abgelenkt, derweil der Verstand ein gutes Dasein hat und im Laufe der Zeit immer mächtiger wird.

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Hör auf der Hammer zu sein!

Wer seinen Verstand zu oft und für die falschen Dinge hernimmt, der läuft Gefahr, die Herrschaft im eigenen Haus zu verlieren und zum Opfer der Machenschaftes eines unkontrolliert wuchernden Dieners zu werden, der fortwährend Probleme erschafft, um diese dann lösen zu können (und dafür auch noch bewundert und gefeiert zu werden). So wie der heldenhafte Feuerwehrmann, der den Brand selber gelegt hat.

Wie ist das in deinem Leben? Benutzt du deine Werkzeuge, oder benutzen sie dich? Wenn du viele Probleme im Leben hast, dann überprüfe doch einmal, ob du nicht ein Hammer bist...

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