Mach dir keine Sorgen

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„Dass die Vögel der Sorge und des Kummers über deinem Haupt fliegen, kannst du nicht ändern. Aber dass sie Nester in deinem Haar bauen, das kannst du verhindern.“ Martin Luther

Hast du dir schon einmal Sorgen gemacht? Oder kommt das vielleicht regelmässig vor? Keine Angst, gerade in unserem Land bist du da in bester Gesellschaft. Nun legt ja schon der Ausdruck Sorgen machen nahe, dass diese nicht einfach da sind, sondern aktiv erschaffen werden, gemacht werden. Schauen wir doch einmal näher hin, was es nun mit dieser unserer Schöpfung auf sich hat.

Nun ist es doch so, dass sich Sorgen unangenehm anfühlen. Dennoch sind sie nicht per se etwas Schlechtes auch wenn es immer wieder Aufrufe dagegen gibt: So z.B. in der Bibel, ein Beispiel:

"Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie?" Mt6,26

Dale Carnegie nennte sein wohl bekanntestes Buch "Sorge dich nicht, Lebe!" Es ist fast schon DER Klassiker zum Thema und in weiten Teilen bis heute aktuell und in jedem Fall lesenswert! Hier schreibt er u.a.:

"Sorgen entstehen aus den Gedanken über Vergangenheit und Zukunft . Der entscheidende Faktor ist im Heute zu leben – so, wie es schon der Evangelist Matthäus sagt: Sorge dich nicht um die Dinge des Lebens." Dale Carnegie 

Wir erhalten hier einen Verweis auf den Bezug zu den drei für uns Menschen vorrangigen Qualitäten von Zeit, worauf ich noch zurückkommen werde. Wir könnten daraus den Schluß ziehen, dass unsere Besotgtheit überflüssig wäre und weg muß. Was ist dann aber das Gute an den Sorgen? Wer sich sorgt, zeigt damit, dass er nicht gleichgültig ist. Dass er bereit ist, auch über den eigenen Horizont hinauszublicken, und sich selbst, seine Ziele, sein Handeln mit den Umständen in Beziehung zu sehen. Verantwortung ist das Stichwort. Verdrängung wäre die Gegenreaktion ("et kütt wie et kütt un hätt noch immer joot jejage...), was -richtig angewendet- durchaus eine entspannte Lebenseinstellung sein könnte. Wer sich allzuwenig sorgt, soll sich dann aber nicht wundern, wenn sich plötzlich der neue Tag ereignet und nichts bereitet ist. Nun bleibt die Sorge zunächst etwas Passives, führt aber auch zum nächsten Schritt: Kümmern (warum steckt da wohl das Wort "Kummer" drin?) Kümmern ist Aufhebung der Sorgen, Ent-Sorgung, durch Beseitigung derer Ursachen. Ein dritter Schritt wäre das Verstehen, dazu möchte ich hier ein wenig anregen.

"Wer ständig über seinen Sorgen brütet, dem schlüpfen sie auch aus." Sprichwort

Interessant ist, dass manchmal die Intensität der Sorgen ansteigt, je geringer die Wahrscheinlichkeit des Eintretens der umsorgten Dinge ist. Wenn mal wieder Umfragen darüber gemacht werden, wovor die Menschen am meisten Angst haben, zeigt sich dies ganz deutlich. Sorgen sind somit einerseits irrational, verhindern aber andererseits das Wegsehen. Wer es mit dem Sorgenmachen übertreibt und seine Aufmerksamkeit immer wieder auf die negativen Befürchtungen richtet, der läuft Gefahr, diese gerade dadurch heraufzubeschwören, sie als self fulfilling prophecy zu erschaffen. Ein Thema und Fakt zu dem es höchst interessante Untersuchungen aus den letzten Jahren gibt.

Wäre es also doch erstrebenswert, sich niemals Sorgen zu machen, entweder weil alle Gründe beseitigt worden sind, oder weil man auf mögliche Negativentwicklungen gar keine Aufmerksamkeit mehr legt. Wäre man dann nicht glücklich? Vorübergehend vielleicht, aber keine Angst, das halten wir Menschen erfahrungsgemäß nicht lange aus, wir finden schon einen Ausweg aus jedem Paradie und neue Probleme...

Ich denke, es kommt in diesem Zusammenhang auf dreierlei Dinge an: Maß und Bewusstheit, und darüber hinaus: Vertrauen bzw. Gelassenheit:

Maß - Schon die Lehrer der Antike rufen zum Maßhalten auf: Nicht übertreiben, immer auch an den Ausgleich denken, also sich nicht nur mit den Sorgen und deren Kindern, den Ängsten, oder anderen Widrigkeiten aufzuhalten. Ansonsten wird schnell der Blick auf die vielen guten und schönen Seiten des Lebens verstellt. Wer das Maß hierin nicht findet, der vergiftet nachhaltig sein Leben und das anderer.

Bewusstheit - Es ist naiv, Risisiken und Gefahren zu leugnen, sie sind da, aber zumeist mit einer geringen Eintrittswahrscheinlichkeit in den nächsten Minuten. Es kommt hinzu, dass wir bei vielen Szenarien gar keine direkte Möglichkeit besitzen, sie abzuwenden. Oder hast du schon einmal versucht, einen Tornado oder ein abstürzendes Flugzeug aufzuhalten, von unverständlicher Politik, unverantwortlichen Konzernstrategien usw. ganz zu schweigen? Wer sich bewusst ist, dass es Risiken und Erfordernisse in jedem Leben gibt, und darüber hinaus abschätzen kann, wo das eigene Tun eine Verbesserung bewirken kann, und wo nicht, wer seine Möglichkeiten, ebenso wie seine Ohnmacht akzeptieren lernt (und all das ist kein leichtes Unterfangen), der wird sich sicherlich Gedanken machen, aber keine Sorgen produzieren. Bewusst-sein kann man nur im hier und jetzt, das Gestern ist nicht zu ändern und das Morgen erst noch auf dem Reissbrett.

Gelassenheit - Wer auf seine eigenen Fähigkeiten und Entscheidungen vertraut, sich andererseits über seine Grenzen im klaren ist, der wird da Handeln wo er kann, und hinnehmen was er nicht beeinflussen kann. Da ja die Objekte der Sorgen überwiegend nicht eintreten, sind Aktionismus oder Panik sinnlos. Vertrauen in sich selbst und in das Leben und seine unendlichen Möglichkeiten (die wir erschaffen) bringen einen in die Gelassenheit und innere Belance, die echte Freiheit bedeuten.

"Sorgen machen ist genauso verantwortungslos, wie wegzuschauen." AS

Wer probleme hat und sich deretwegen sorgt, sagt damit nur aus, dass er nicht an eine Lösung, eine Wende oder einen glücklichen Ausgang der Sache glaubt. Und dann gibt es auch keinen. Und das kann ja vielleicht ganz bequem sein, oder auch den Vorteil haben, dass einem das Jammern über den Umstand einige Aufmerksamkeit bescheren kann. Aber "Wer niemals ruht, Wer mit Herz und Blut, auf unmögliches sinnt, der gewinnt. Und das ist oft viel einfacher als gedacht, wenn erst einmal der erste Schritt getan ist.

"Bedauern ist Widerstand gegen das Gestern, Sorge ist der Widerstand gegen das Jetzt, Gedankenlosigkeit ist Widerstand gegen das Leben selbst und ein Verbrechen an der Zukunft" AS

Wenn Sorge das eine Extrem ist, und Gedankenlosigkeit das andere, wie wäre es dann, zu einer gesunden Balance zu gelangen und keinem Extrem den Vorrang zu geben? Abzuwägen, bewusst zu entscheiden? Du musst dich nicht durch Sorgen lähmen, du musst dich nicht ablenken, von dem, was doch ist. Du musst nicht. Aber du kannst vielmehr, als du glaubst.

Also MACH dir keine Sorgen, mach etwas Besseres. Aus Dir, aus dem Leben.

Externer Link (danke Udo für den Tip): https://booklement.de/sorge-dich-nicht-lebe-dale-carnegie/


Vielleicht hast auch du ein Thema, einen Gedanken, eine Idee, die an dieser Stelle weiter verfolgt werden soll? Dann schreib mir oder melde dich über Telefon.

 

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