Die Würfel sind gefallen

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"Alea iacta est!", so soll Julius Caesar ausgerufen haben, als er den Rubikon überschritt. Dieser Ausspruch hat im "Die Würfel sind gefallen!" anscheinend seine deutschsprachige Entsprechung gefunden. Doch nicht zu voreilig, da droht ein Missverstehen...

Zunächst einmal stimmt die Übersetzung nicht, denn es heisst wörtlich: "Der Würfel ist geworfen!", und dabei geht es mir nicht um die Ein- oder Mehrzahl. Unser deutscher Ausspruch wird in der Regel so verstanden und benutzt: "Die Sache ist gelaufen", "Der Drops ist gelutscht - der Käs geschmatzt" oder einfach "Game Over", was ja richtig ist, wenn der Würfel zur Ruhe gekommen ist, und somit das Ergebnis feststeht. Gemeint ist es aber anders: Wenn der Würfel geworfen ist, dann ist die Sache gerade erst in Gang gekommen, der Startimpuls gesetzt, die Kugel ins Rollen gebracht usw. Meint: Die Sache ist im Prozess, nicht entschieden, ergebnisoffen, solange der Würfel noch rollt.

Vielleicht fragst du dich spätestens jetzt: "Was schreibt der hier über Latein, Würfel und Sprüche?" Die Antwort findet sich in der Anwendung des bisher gesagten auf unsere menschlichen Lebensvorgänge. Mit der Überschreitung des Rubikons war noch nichts gewonnen. Caesar wusste aber, nach diesem Schritt gibt es kein zurück mehr, er überschritt seinen Point of no return. Die Ereignisse entfalten sich, Dinge geschehen, Schritt folgt dem Schritt.

Frage dich einmal, wo in deinem Leben "ist die Sache gelaufen"? Wo hast du vielleicht schon akzeptiert (das Schiksal, die Diagnose, das Urteil...) oder resigniert? Wo sieht du keine Entwicklungschancen, keine Verbesserungsmöglichkeiten? Bist du irgendwo gefangen und siehst keinen Ausweg? Bist du zur Ruhe gekommen oder etwa nur innerlich tot?

Der Würfel bist Du

Solange du in Bewegung bleibst, ist nichts entschieden. Selbst in der letzten 10tel Sekunde kann der Würfel noch kippen, kann die Kugel gerade noch die kleine Erhebung zwischen zwei Zahlen schaffen. Wir alle werden aus dem Würfelbecher des Universums (oder Gottes) in dieses schwierig-schöne Spiel geworfen, das wir Leben nennen. Es ist wohl zu jedem Zeitpunkt möglich, das Spiel in Gang zu halten oder wieder in Bewegung zu bringen, dazu benötigst du Entscheidungen. Und da gibt es zum Beispiel diese:

  • Ziele
    Du kannst dir Ziele setzen, wenn du der Überzeugung folgst: "Wer kein Ziel hat, kann auch keines erreichen!"
    Dann mach dich auf den Weg, dein Ziel zu erreichen und tu dein Bestes, die "richtige" Augenzahl auf dem Würfel zu sehen. Das ist der Weg des Verstandes, und genau richtig, wenn du möglichst viel Kontrolle über den Weg haben möchtest (sofern es so etwas wie Kontrolle wirklich gibt).

  • Ins Vertrauen gehen
    Wenn du bereit bist dem Fluss des Lebens zu folgen, oder besser noch auf seiner Welle zu surfen, dann vertraue dir selbst und deinem Weg, so wie der Würfel keine Angst vor dem Fallen hat und auch nicht davor, seine Bestimmung im Ergebnis zu zeigen. Als Blankoschein für bequeme Passivität ist dies aber nicht zu verstehen, der Würfel bleibt nicht im Becher kleben... Das ist der Weg der Hingabe.

  • Kombinieren
    Eine Entscheidung treffen, ein Ziel fokussieren, dabei eine offene Erwartung haben, bereit sein für den Ruf des Lebens und dafür, diesem zu folgen. Sei bereit und mutig, klar und bestimmt, indem du immer bestrebt bleibst, Denken und Gefühl zu verbinden, aber auch bereit, deine Entscheidungen neu zu treffen. Das ist der Weg des Herzens, der Tanz des Lebens mit sich selbst.

Gott würfelt nicht (angeblich). Aber du bist nicht Gott (auch angeblich)...

Wo, frage ich dich, könnte dein Rubikon für dein sein? Obwohl doch viele Wege nach Rom führen, könnte deiner vielleicht vor einem breiten Fluß oder einem unüberwindlich erscheinenden Bergmassiv zu einem (zwischenzeitlichen) Stillstand gekommen sein und "nichts geht mehr". Dann könnte es nicht dein Rubikon sein, vielleicht noch nicht. Es könnte auch sein, dass im richtigen Moment ein großer Vogel, vielleicht ein Adler, dich mit seinen kräftigen Schwingen über jeden Abgrund und vielleicht über alle Berge bringt. Das könnte dann auch ein Engel sein, ein Freund, der eine Satz der trifft; und vielleicht ist das alles Dasselbe.

Solange die Kugel rollt, weisst du nicht, ob dein Rouletteeinsatz verloren oder vervielfacht ist. "Stillstand ist der Tod.." (Herbert Grönemeyer) [Liedtext]

Ich wünsche dir - von Herzen - dass du dich nicht vorzeitig aus dem Spiel nimmst.


Dieser Artikel ist auf eine Anregung hin entstanden (lieben Dank dafür). Vielleicht hast auch du ein Thema, einen Gedanken, eine Idee, die an dieser Stelle weiter verfolgt werden soll? Dann schreib mir oder melde dich über Telefon.


Jegliche Vermutung, die hier genutzten Metaphern sollten das Leben als Spiel erscheinen lassen oder gar zum Glücksspiel animieren, sagt weniger über mich, als den Vermutenden aus... Die fantastische Erfahrung des Lebens hat an sich schon genug "Suchtfaktor"...

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